Praxisbeispiele

KOWO Obereichsfeld: Kooperation mit Energieversorger

Wie bei allen Wohnungsunternehmen auf dem Weg zur Klimaneutralität steht auch bei der Kommunalen Wohnungsgesellschaft Obereichsfeld mbH (KOWO Obereichsfeld) die CO₂-neutrale Wärmeversorgung ganz oben auf der Agenda. In enger Zusammenarbeit mit dem lokalen Versorger Eichsfeldwerke GmbH wurde in Arenshausen eine Quartierswärmeversorgung in die Wege geleitet. Das neue Setup für die 56 Wohneinheiten in den drei Gebäuden im Birkenweg besteht aus einer Kombination von PV-Modulen (Photovoltaik und Solarthermie), Wärmepumpen verschiedener Kapazitäten sowie einem Erdgas-Spitzenlastkessel mit Nahwärmeleitung. An der Heizungstechnik in den Wohnungen wurde nichts geändert.

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Im Vergleich zur vorherigen Heizsituation senken die Maßnahmen die CO2-Emissionen enorm. Nach Angaben von KOWO-Geschäftsführer Dr. Thomas Simon liegt bislang noch keine vollständige Auswertung vor. Prognostiziert ist allerdings eine Reduktion der CO2-Emissionen des Quartiers von jährlich 77 auf 15 Tonnen, was einer zu 70 Prozent CO2-freien Wärmeversorgung entspricht. „Die Zahlen aus dem ersten Betriebsjahr zeigen, dass die Wärmepumpen in den Sommermonaten kaum im Betrieb waren und das solar erwärmte Wasser komplett in die Trinkwasserboiler eingespeist wurde“, berichtet Dr. Simon.

Die Kosten für die Maßnahmen pro Wohnung wurden durch das BEG-Förderprogramm um 16,4 Prozent reduziert. Sie betrugen pro Wohneinheit 14.800 Euro. Nach der Umstellung auf das Contracting stieg der Wärmepreis für die Mieter:innen geringfügig: unter zehn Prozent. Die Modernisierung und die Entwicklung des Wärmepreises wurden vorab offen kommuniziert und trafen auf große Akzeptanz. Die Bestandsmieten mussten nicht angehoben werden.

Weitere Details zum Projekt finden Interessierte im  IW.2050-Praxisbericht 2025/2026 ab Seite 95.

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GWW: Nur-Strom-Haus in Erbenheim

Die GWW Wiesbadener Wohnbaugesellschaft mbH errichtet in Wiesbaden-Erbenheim ein vierstöckiges Nur-Strom-Wohnhaus mit Kindertagesstätte. Das innovative Neubau-Pilotprojekt – begleitet von Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld von der TU Bergakademie Freiberg – umfasst 33 geförderte Wohneinheiten auf einer Wohnfläche von 3.052 Quadratmetern. Dank intelligenter Technik und haltbarer Materialien wird ein hoher Grad an Nachhaltigkeit und Autarkie realisiert. Als Heizungstechnik dient eine Infrarot-Stromdirektheizung, die durch eigenerzeugten, klimaneutralen PV-Strom mit Batteriespeicher betrieben wird. „Nur-Strom“ bedeutet somit ein ausschließliches Heizen und Bereiten von Warmwasser mit Strom. Die Intention: anstatt des Einsatzes von Wärmepumpen alternative Heiztechniken prüfen, um das Ziel Klimaneutralität unter kostengünstigeren Bedingungen zu erreichen.

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Der technische Schwerpunkt beeinflusst auch die Architektur des Gebäudes. Von außen wird dies nach Fertigstellung im Herbst 2026 durch die großflächige Solarenergie-Erzeugung deutlich sichtbar. Die PV-Paneele sind direkt auf dem effektiv geneigten Dach und auf den Fassaden aufgebracht. Die Besonderheit innen sind die Infrarot-Heizungen. Überwiegend an der Decke angebracht, erlauben sie zahlreiche Möglichkeiten der Möblierung.

Zur Realisierung des Projekts wurde unter anderem eine Befreiung vom Gebäudeenergiegesetz (GEG) angestrebt. Der Nachweis wurde auf Basis der Messgröße des Primärenergiebedarfs und der voraussichtlichen Betriebskosten geführt. Weitere Details finden Interessierte im IW.2050-Praxisbericht 2025.

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Serieller Stadtbaustein zur Nachverdichtung

Die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft mbH (SWSG) und die Stadtsiedlung Heilbronn GmbH haben gemeinsam ein innovatives, skalierbares Konzept entwickelt, das schnell, nachhaltig und kosteneffizient bezahlbaren Wohnraum schafft. Das Modell mit Vorbildcharakter besteht aus einem Nachverdichtungswürfel, der als modulares Baukastensystem zum Einsatz kommt. Sein großes Potenzial steckt in den vielfältigen, ansprechenden Gestaltungsmöglichkeiten: Je nach Ort und Einsatz kann das Gebäude von außen mit einer Holzfassade, Putz oder Klinker verkleidet werden. Im Kern bleibt das Wohnmodul jedoch immer gleich.

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Das neue, seriell gefertigte Gebäude wurde vom Schweizer Unternehmen NOKERA AG entwickelt. Jeweils ein Stadtbaustein in Holzhybridbauweise beherbergt sechs Wohnungen mit Wohnflächen von je etwa 36 bis 52 Quadratmetern. In Heilbronn werden mit diesem Modul in den nächsten Jahren an bis zu fünf Standorten 90 geförderte Wohnungen entstehen. In Stuttgart sollen in den kommenden Jahren an sieben Standorten über 200 Wohnungen geschaffen werden.

Außerdem von Vorteil: Menschen, die auf günstige Mieten angewiesen sind, profitieren von der Einkaufsgemeinschaft zweier Städte genauso wie die Produzenten, die mit größeren Stückzahlen und verlässlichen Partnern insgesamt mehr Planungssicherheit haben. Weitere Wohnungsbauunternehmen können sich gerne anschließen, denn: Je größer die Gemeinschaft, desto mehr Synergie-Effekte.

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Münchner Wohnen: Urban Mining in Ramersdorf

Um das Thema Urban Mining voranzutreiben, startete die Münchner Wohnen GmbH – eines der größten kommunalen Wohnungsunternehmen Deutschlands – ein Pilotprojekt in Ramersdorf. Im ersten Schritt wurde in Zusammenarbeit mit einem Beratungsbüro eine Inventarliste erstellt. Diese enthält alle Bauteile, die sich wiederverwenden lassen. Anschließend erfolgte eine Stoffstrom-Analyse; durch die umgestaltete Entsorgungspraxis nach dem Abbruch ändert sich der Stoffstrom der Bauteile. Eine Herausforderung hierbei sind mögliche Belastungen, wie beispielsweise die Lackierung des Holzes im Dachstuhl.

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Die aufbereiteten Baumaterialien vermittelten die Projektleiter:innen schließlich an Interessent:innen, darunter Mitarbeitende der Münchner Wohnen, Privatpersonen, aber auch Bürgerinitiativen, Architekturbüros und Hersteller. Etwa holte ein Unternehmen Kunststofffenster direkt auf der Baustelle ab, um sie als Rohstoff für die Produktion von Rahmen für neue Fenster zu verwenden. Die Dachziegel wurden für den Bau eines Kindergartens genutzt.

Die Wiederverwendung vermeidet erheblich CO2-Emissionen: Würden alle Dachziegel des Projekts erneut genutzt, könnten Emissionen in Höhe von circa 76 Tonnen CO2-Äquivalenten eingespart werden. Das entspricht in etwa der Menge, die bei einer neunfachen Weltumrundung mit dem Auto entstehen würde oder von circa sieben Hektar Wald gebunden wird (Quelle: EPEA Part of Drees & Sommer, Bauteilkatalog für das Abbruchprojekt Ramersdorf). Auch kleine Bauteile wie Türen, Handläufe und Teile der Fußbodenkonstruktion werden dem Kreislauf wieder zugeführt. Die Erkenntnisse aus diesem ersten Pilotprojekt tragen dazu bei, Planungs- und Bauprozesse anzupassen.

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NHW: Module mit Mehrwert

In Zusammenarbeit mit einem renommierten Hersteller testet die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt (NHW) seit Jahresbeginn 2024 in einem Pilotprojekt in Maintal-Bischofsheim neun Energiemodule. Sie sind mit bewährter und effizienter Wärmepumpen-Technik in Kaskadenschaltung sowie mit effektiver Speicher-Technologie ausgestattet. Dank einer innovativen Plug&Play-Lösung sorgen die Module schnell für klimafreundliche Wärme zum Heizen und für die Warmwasserbereitung. Kurze Einbauzeiten, hohe Versorgungssicherheit, Defossilisierung und damit auch eine Verringerung des CO2-Ausstoßes gehen hier Hand in Hand.

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Über eine Anbindung ans Internet erfolgen später Fernwartung und Monitoring der Anlage. Dabei werden Verbrauchs- und Leistungsparameter fortlaufend überwacht. Ein weiteres Plus: Das Aufstellen der auch optisch ansprechenden Energiemodule mit Holzlammellen-Fassade und begrünten Dächern ist gemäß Hessischer Bauordnung ohne Baugenehmigung möglich. Durch den bereits geplanten Einbau einer Photovoltaik-Anlage stellt die NHW die Wärmeversorgung in diesem Quartier langfristig zu 100 Prozent auf Erneuerbare Energien um.

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